Nahversorgerstudie 2026 – Der Lebensmitteleinzelhandel im Kontext der Nahversorgung in Österreich

.

Wien, 29.09.2026 – Die Nahversorgung mit Lebensmitteln ist in Österreich insgesamt stabil. Gleichzeitig zeigen sich deutliche regionale und strukturelle Unterschiede. Während die Zahl der Standorte des Lebensmitteleinzelhandels zwischen 2021 und 2024 österreichweit um 3,6 % gestiegen ist, verlief die Entwicklung räumlich sehr unterschiedlich: In dicht besiedelten Gebieten nahm die Zahl der Standorte um rund 14 % zu, in dünn besiedelten Gebieten ging sie um rund 3 % zurück.

Damit zeigt sich der österreichische Lebensmittelhandel auch in einem von multiplen Krisen geprägten Umfeld als resilient. Gleichzeitig bleibt die Sicherung der Nahversorgung in kleinen und peripher gelegenen Gemeinden eine Herausforderung.

 
DIE WICHTIGSTEN ZAHLEN AUF EINEN BLICK
  • 401 von 2.114
    untersuchten räumlichen Einheiten verfügten 2024 über keinen eigenen LEH-Nahversorger. Das entspricht 19 %.
  • 423.000 Menschen
    beziehungsweise rund 5 % der österreichischen Bevölkerung lebten 2024 in einer Gemeinde ohne eigenen Lebensmittel-Nahversorger.
  • + 3,6 % Standorte
    verzeichnet der österreichische Lebensmitteleinzelhandel insgesamt zwischen 2021 und 2024.
  • + 14 % in dicht besiedelten Gebieten
    steht einem Rückgang von rund – 3 % in dünn besiedelten Gebieten gegenüber.>
  • 72 %
    der Gemeinden mit weniger als 500 Einwohner verfügen über keinen eigenen LEH-Nahversorger. Ab einer Gemeindegröße von 5.001 Einwohner liegt der Anteil bei 0 %.
NAHVERSORGUNG IST VOR ALLEM EINE FRAGE VON GEMEINDEGRÖSSE, LAGE UND ERREICHBARKEIT

Die Studienergebnisse zeigen ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. In Städten und dicht besiedelten Gebieten lag der Anteil der Gemeinden ohne eigenen Lebensmittel-Nahversorger während des gesamten Untersuchungszeitraums bei 0 %. In ländlichen beziehungsweise dünn besiedelten Gebieten waren es 2024 hingegen 23,1 %.

Besonders stark wirkt sich die Größe einer Gemeinde aus:

  • unter 500 Einwohner:innen: 72 % ohne eigenen LEH-Nahversorger
  • 501 bis 1.000 Einwohner:innen: 43 %
  • 1.001 bis 1.500 Einwohner:innen: 28 %
  • 1.501 bis 2.000 Einwohner:innen: 16 %
  • ab 5.001 Einwohner:innen: 0 %

Die Analyse zeigt allerdings auch: „Ländlich“ bedeutet nicht automatisch „unterversorgt“. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Einwohnerzahl, Siedlungsstruktur, Lage und Erreichbarkeit größerer Zentren. Auch innerhalb ländlicher Räume bestehen daher erhebliche Unterschiede.

REGIONALE UNTERSCHIEDE

Den höchsten Anteil an Gemeinden ohne eigenen LEH-Nahversorger weist 2024 das Burgenland mit 28,1 % auf. Es folgen Oberösterreich mit 24,0 % und Tirol mit 22,7 %. Niederösterreich liegt mit 20,1 % ebenfalls über dem österreichweiten Wert von 19 %.

Zwischen 2023 und 2024 entwickelten sich die Bundesländer unterschiedlich. Die stärksten Zunahmen beim Anteil der Gemeinden ohne Nahversorger gab es in der Steiermark (+2,1 Prozentpunkte) und in Oberösterreich (+1,8 Prozentpunkte). Rückgänge verzeichneten insbesondere das Burgenland (–1,8 Prozentpunkte) und Salzburg (–1,7 Prozentpunkte).

ENTWICKLUNG 2021–2024

Kein flächendeckender Rückzug – aber räumliche Verschiebung

Die Gesamtzahl der Standorte des Lebensmitteleinzelhandels ist in Österreich zwischen 2021 und 2024 um 3,6 % gestiegen. Hinter diesem Gesamtwert stehen allerdings gegenläufige Entwicklungen:

Dicht besiedelte Gebiete: rund +14 %
Gebiete mittlerer Bevölkerungsdichte: rund +1,7 %
Dünn besiedelte Gebiete: rund –3 %

Damit findet österreichweit kein genereller Rückzug des Lebensmittelhandels statt. Das Standortwachstum konzentriert sich jedoch zunehmend auf dichter besiedelte Räume, während die Zahl der Standorte in dünn besiedelten Regionen zurückgeht.

Auch die Zahl der LEH-Standorte je 100.000 Einwohner blieb österreichweit mit rund 98 bis 99 Standorten weitgehend stabil. Dieser Wert ist allerdings nur eingeschränkt geeignet, die tatsächliche Nahversorgung abzubilden: Er sagt nichts darüber aus, wie weit ein Geschäft entfernt ist, wie lange die Anfahrt dauert oder ob es auch ohne Pkw erreichbar ist.

WAS DIE ZAHL VON 401 GEMEINDEN NICHT AUTOMATISCH BEDEUTET

Eine Gemeinde ohne eigenen LEH-Standort ist nicht zwangsläufig eine Gemeinde ohne funktionierende Lebensmittelversorgung. Die Studie untersucht, ob sich innerhalb der jeweiligen Gemeindegrenzen ein LEH-Standort befindet.

Nicht erfasst werden unter anderem:

  • Entfernung und Fahrzeit zum nächstgelegenen Geschäft
  • Versorgung durch unmittelbar angrenzende Gemeinden
  • Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Situation von Haushalten ohne Pkw
  • Öffnungszeiten und Sortimentsumfang
  • mobile oder alternative Versorgungsangebote

Ob tatsächlich eine relevante Versorgungslücke besteht, muss daher für die jeweilige Gemeinde konkret geprüft werden.

NAHVERSORGUNG BRAUCHT MASSGESCHNEIDERTE LÖSUNGEN

Für kleine und periphere Gemeinden gibt es keine einheitliche Patentlösung. Die Studie nennt unterschiedliche Ansätze, die abhängig von Gemeindegröße, Nachfrage, Siedlungsstruktur und Erreichbarkeit eingesetzt werden können.

Dazu zählen insbesondere die Stabilisierung bestehender Standorte, multifunktionale Dorfläden, gemeinschaftliche Trägermodelle, hybride und automatisierte Verkaufskonzepte sowie mobile Versorgung und Liefersysteme.

Entscheidend ist die langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit. Gerade in sehr kleinen Gemeinden kann ein klassischer stationärer Vollsortimenter aufgrund des begrenzten Nachfragepotenzials an wirtschaftliche Grenzen stoßen. Fördermaßnahmen sollten deshalb nicht ausschließlich auf die Errichtung neuer Geschäfte abzielen, sondern unterschiedliche Versorgungsmodelle ermöglichen und an ein tragfähiges Betreiber- und Finanzierungskonzept geknüpft werden.

FAZIT

Österreich verfügt weiterhin über ein dichtes und insgesamt stabiles Nahversorgungsnetz. Die Herausforderung liegt weniger in einem flächendeckenden Rückzug des Lebensmittelhandels als in der zunehmenden räumlichen Differenzierung.

Für die Zukunft der Nahversorgung kommt es daher darauf an, bestehende Standorte dort zu sichern, wo sie wirtschaftlich tragfähig sind, und für sehr kleine beziehungsweise periphere Gemeinden flexible, lokal passende Lösungen zu entwickeln.

Datengrundlage: Statistik Austria, Standortdaten des Lebensmitteleinzelhandels 2021–2024. Berücksichtigt werden 2.114 räumliche Einheiten; die 23 Wiener Gemeindebezirke werden dabei einzeln erfasst.

Die ganze Studie steht hier (Öffnet in einem neuen Tab oder Fenster)zum Download!

Teilen